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Das Mecklenburger Gut Westenbrügge

von vorgestern bis heute




Westenbrügge entstand zur frühen Hansezeit an der Westbrücke auf dem wichtigen Landhandelsweg von Rostock nach Wismar, sozusagen an der damaligen A20. Die heutige B105 wurde erst nach 1830 gebaut, sodass bis dahin für 600 Jahre sämtlicher Verkehr durch Downtown Westenbrügge rumpelte. Die Kirche wird auf vor 1250 geschätzt. Viele engagierte Leute besiedelten zu der Zeit den 'Wilden Osten', um hier mit enormen Steuervergünstigungen und billigem Land ihr Glück zu machen.



Ab wann genau es Westenbrügge gab, wissen wir nicht. Höchstwahrscheinlich ist es aber eine Neugründung der christlichen Einwanderer, denn sonst würde das Ortseingangsschild wohl auf das slawische 'in' oder 'ow' enden. Parchow ist älter. Es wurde 1211 erstmalig wegen des Klosters erwähnt, dessen Erhebungen man noch liegen sieht, wenn man von der Kreuzung zwischen Westenbrügge und Uhlenbrook in Richtung Parchow abbiegt. Dies Kloster wurde allerdings aus 'Alt'-Parchow nach 'Neu'kloster umgezogen, nachdem die Alteingesessenen es abgefackelt hatten. Sonst wäre jetzt vielleicht Westenbrügge so gross wie Doberan. Dort wurde das erste Kloster in 'Alt'hof auch abgefackelt und auch die bauten nach acht Jahren auf neu erschlossenem Bauland wieder auf. 'Jupp anne Latt' war noch nicht 'In' bei den Ureinwohnern und damit seine Promoter 'Out' in Parchow.



Als 100 Jahre später der Herzog anlässlich einer Gesellschafterversammlung in Sternberg sein Investitionsportfolio durchsah, stellte er fest, dass sich Kreis- oder gar Hafenstadtwachstum in Westenbrügge wohl nicht mehr einstellen würde. Daher gab er es 1318 mit drei ähnlichen Aussenstellen an einen Franchise-Nehmer, Heinrich von Bülow, um den Erlös in Rostock zu investieren. In der Folge entwickelte sich immer mehr Danzig zum vorherrschenden Getreideausfuhrhafen, d.h. die heissen Zeiten der Produktion von Exportgetreide kamen für Mecklenburg zum Abklingen. Insgesamt gesehen läuft die ganze herzogliche Sippe jedem heutigen Fondsmanager den Rang ab, denn genau 600 Jahre später gehörte ihr immer noch über 42% von ganz Mecklenburg privat. Heute gibt's schon niemand mehr, der sich auch nur das Maximum von 5 Jahren auf den vorderen Rängen im Barron's halten kann. Jaja, ich weiss, Markttransparenz hat auch was damit zu tun.



Zu alten Zeiten gab es an der Brücke eine Wasserburg. Das hintere Drittel des Herrenhauses, zum Teil aus Ziegelsteinen von Klosterformat, stammt möglicherweise von vor 1696, dem dendrologisch belegbaren Baudatum. Man findet dort zwei 60cm dicke Innenwände. Die links und rechts fensterfreie Nordfassade, sowie unsymmetrische Tür- und Fensterstürze im Erd- und 1. Obergeschoss lassen mögliche Türme an den Nordecken vermuten, etwa wie in Hohen Luckow. Umgeben war das ganze von viel Wasser.



1696 wurde das Herrenhaus in seiner heute vorhandenen Grundfläche gebaut. Bauherr war der aus Holland stammende, schwedische Oberstleutnant a.D. Müller von der Lühne. Sowohl Holland als auch Schweden waren zu der Zeit reiche Grossmächte, die unter dem 30-jährigen Krieg zu Hause nicht gelitten hatten. Im kaputten Deutschland hatte es das Aufbauwirtschaftswunder gegeben. 'Allet schoma dajewesen.' Einwanderer mit etwas Fremdwährung, Pump und Initiative konnten als Bauunternehmer und Investoren dank geringer Steuern und Regulationen Gutes aufbauen.



Wir müssen uns das Haus zu der Zeit als einen Barockbau vorstellen, mit grossem Walm- oder Spitzdach, überall Fenstern, auch Scheinfenstern, und einem kleinen Giebel über den mitteren drei Südachsen. Es sah wahrscheinlich etwa so aus wie z.B. das Johannstorfer Herrenhaus bei Dassow. Wie dieses besass es immer noch einen Wassergraben drumherum. Ein weiterer Graben verlief um den Hof.



Um 1850 erhielt das Herrenhaus ein klassizistisches Gesicht, möglicherweise abgekupfert bei dem damals brandmodernen Mecklenburger Haus in Heiligendamm. Es gab zu der Zeit noch jede Menge Gesimse, Fensterfaschen, Supraporten und eine Brüstung auf dem Dach. Es sah aus, wie auf dem Bild oben. Dieser Baustil war in Deutschland nur relativ kurze Zeit 'In'. Andere Beispiele sind das Jenisch Haus in Hamburg oder das Mecklenburger Haus in Heiligendamm. Hinter dem damals nagelneuen Pavillon lag noch der grosse Mühlenteich. Wieder 100 Jahre später erfolgte im Geiste Lenins die Runderneuerung im Bunkerstil. Das Haus konnte froh sein, überhaupt stehen gelassen zu werden.



Das Gut war noch im 16. Jahrhundert und danach ein riesenhafter Betrieb und Besitz, zu dem auch die später eigenständigen Güter Lehnenhof, Jörnstorf, Danneborth, Bolland, Parchow, Karin, und weitere Ländereien gehörten. Zentrale damals: Westenbrügge. Zu diesen Zeiten und für über 300 Jahre hiessen die Eigner von Bibow. Aber nach seinen Glanzzeiten als Hanse-Autobahnraststätte begeisterte das Gut seine Eigner weniger durch grossartige Bodenpunktzahlen, als durch Holzwert und hervorragenden Hochwildbestand.



Zu Ende des 18. Jahrhundert gehörte es hintereinander mehreren Geheim- und ähnlichen Räten, die es als Spekulationsobjekt verwendeten. Sie teilten meist je eins der heute separat bekannten Güter ab und verkauften alles nach wenigen Jahren getrennt weiter. Man konnte zu diesen Zeiten des englisch-amerikanischen Revolutionskrieges auch mit weniger Land gutes Geld verdienen, indem man Getreide zu satten Preisen in die kriegführenden Länder Frankreich, England und das junge Amerika verkaufte.



In den folgenden 125 Jahren bis 1945 war das restliche Gut, zusammen mit dem heute verschwundenen Bolland und dem Vorwerk Uhlenbrook, im Eigentum der Familie von Müller aus Lüneburg, weder verwandt noch verschwägert mit dem oben genannten Müller. Dann wurde es VEG, Vaters ehemaliges Gut (aus deren Sicht). Im Dorf fanden viele Vertriebene aus Ostpreussen eine neue Heimat.



MV hatte zu der Zeit (1946) 2.1 Mio. Einwohner, also mehr als heutzutage am Wochenende, wenn die Erwerbstätigen aus Hamburg da sind und beide Länder etwa je 1.7 Mio. Leute aufweisen. Von den 2.1 Mio waren 42.2% 'Umsiedler', wie die Kommunisten die Vertriebenen und Flüchtlinge nannten. In einer modernen Form des Bauern Legens gab man den Leuten erst das Land des Gutes und nahm es ihnen dann wieder weg.



Die staatlichen Güter im Arbeiter- und BMauernstaat waren grösser, und die staatliche Achtung vor individuellem Privateigentum geringer, als sogar in den Hochzeiten des Feudalismus; selbstverständlich mit dem entsprechenden wirtschaftlichen Ergebnis. Nachdem sich die Marx-Theorie als Murcks-Theorie herausgestellt hatte, kam alles zunächst an verschiedene öffentliche Eigner, was natürlich auch nicht zu Blüte und Wiederherstellung führte.



Mittlerweile befinden sich alle Gebäude wieder in privater Hand. Und man hofft, wie viele ambitionierte Wähler, auf mehr Demokratie und weniger Bürokratismus, sowie auf Einfluss und Konkurrenz unter den bürgernäher agierenden Ländern und Gemeinden. In den wirtschaftlich starken Hansezeiten war der Territorialstaat zu schwach, um die Bürger und den freien Handel mit konfiskatorischen Steuern und schädlichen Regulationen zu malträtieren, wie es heute der Fall ist.



Dafür waren die selbständigen und bürgernah konkurrierenden Stadtverwaltungen in der Hanse gut verbunden und dank eigener Steuern, nicht Umlagen, stark genug, um Eigentumsrechte und öffentliche Ordnung eigenständig zu wahren. Der Hansegesamtverbund, der Bund sozusagen, kümmerte sich intelligenterweise fast nur um Währung und Verteidigung, alles andere wurde bürgernah und deshalb moderat und mit mehr gesundem Menschenverstand vor Ort geregelt. Die Ansicht, dass ein gut ausgebildeter und zumeist nicht gewählter Elitebürokrat in einer fernen Hauptstadt bessere Entscheidungen über das Geld und Wohl der Leute macht, als diese Leute selbst, hatte sich zu der Zeit nicht durchgesetzt.



Anlass zu Hoffnung gibt es wenig, denn die Länder, wie Mecklenburg, dürfen gerade mal die Grüntöne der Polizeiuniformen nuancieren und um Pisapunkte konkurrieren. Derweil funktioniert die Bundesfinanzpolitik etwa wie ein Säugling: Unstillbarer Appetit am einnehmenden Ende, keine Verantwortung am ausgebenden Ende, und das alles bei sinnloser Geräuschentwicklung.



Dennoch schafft man zu allen Zeiten, was man kann und es gibt immer noch Länder ganz ohne freien Handel und Demokratie, wie Nordkorea, wo die Leute die Borke von den Bäumen essen müssen. Hoffen wir das beste von unseren Volksvertretern, deren Karriere dank deutschem Doppelstimmensystem von ihren Parteioberen abhängig ist, nicht von ihren Wählern. Naja, Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen, Pharmavertreter verkaufen Pharmazeutika, und Volksvertreter verkaufen das Volk.




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